… Man könnte sich trotz allem vorstellen, dass von einem Ende zum anderen dieser noch nicht erschöpften Erde weiterhin namen- und fahnenlose Scharen unterwegs sind, keine Sekten – diese Brut entstammt wohl ausnahmslos dem Kretinismus – so etwas wie Reisende – im eigentlichen Sinnen des Wortes oder auch nur „im Inneren“ – mehr oder weniger obskur und manchmal sogar armselig – alles andere als Stars des Vagabundentums -; ganz einfach nur Menschen, ohne ausdrückliche Verbindung untereinander, denen es jedoch gemeinsam wäre, in den schlimmsten Niederlagen weiterzumachen, mit der unwillkürlichen, nicht einmal heroischen, kaum bewussten Widerstandskraft jener Insekten, wie etwa Skorpione, deren Panzer angeblich den schlimmsten Strahlungen widersteht, während jene anderen einen Panzer weder besitzen noch überhaupt besitzen wollten; nichts als mitunter die Fähigkeit zu einem Lächeln, offen oder schüchtern, die eine oder andere Regung wirklichen Mitgefühls, von Zeit zu Zeit die Geste wirklicher Güte, eine fast unerschöpfliche Geduld; so dass man glauben möchte, der eine oder andere habe trotz allem vom Leben, ohne danach gesucht oder darum gebeten zu haben, oder nichts suchend und um nichts oder fast nichts bittend, ein wenig Wegzehrung erhalten, nicht die gleiche für alle, doch genug, diese, solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, in Bewegung zu halten bis zum letzten Atemzug – danach Schweigen!
Es wäre also etwas wie eine letzte zu erhoffende Hoffnung, was ihre Schritte – auf den Wegen draußen oder im Inneren – zeichnen, unabhängig von jeder Zugehörigkeit zu einer Gruppe und irgendeinem Programm, grundlos, ein Netz, das man sich so unsichtbar und fruchtbar wünschte wie das der Wurzeln unter der Erde. Wir haben Freunde unter ihnen; alle unsere wahren Freunde sind, am Ende, von dieser Art. Man befriedigt damit keinerlei Eitelkeit, man spricht kaum je darüber, man nimmt keinen auf und exkommuniziert keinen, man fühlt sich nicht berechtigt, irgendeinen zu belehren; doch das Bewusstsein oder der Traum von diesem Netz ist unser am wenigsten zerbrechlicher Halt.
Wir gehen, solange wir können, sammeln von Zeit zu Zeit diese Dinge, deren flüchtiger Duft unser Verhältnis zur Welt verändert und ihre Grenzen aufzulösen scheint. Es wäre ein Unglück, würde man diesem Tun nicht ein wenig Vertrauen schenken, diesem Tun, das kaum wahrnehmbar ist, doch überdauert seit unvordenklichen Zeiten.
Philippe Jaccottet